Die Befragung zu psychischen Belastungen am Arbeitsplatz

COPSOQ-Ergebnisse: messen heißt vergleichen

Die Antwort auf die Frage nach der Notwendigkeit von Verbesserungsmaßnahmen ergibt sich nicht direkt aus dem Ergebniswert einer Befragung, sondern aus dem Vergleich den Ergebniswerten aus anderen Befragungen. Die Referenzwerte aus der COPSOQ-Datenbank Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften (FFAW) dienen genau diesem Zweck. Indem der COPSOQ-Fragebogen in allen Tätigkeitsfeldern identisch eingesetzt werden kann, stehen uns die anonymsierten Angaben von mehr als 400.000 Befragten für die vergleichende Gegenüberstellung (Messung) zur Verfügung. Wir ziehen diese empirisch begründete Ergebnisbewertung gegenüber einer Orientierung an Werten vor, die aufgrund rein theoretischer Überlegungen festgelegt werden. Ein zentraler Vergleichswert ist für uns deshalb der repräsentativ gewichteten Durchschnittswert für alle Berufsgruppen in Deutschland.

Das folgende Diagramm zeigt beispielhaft die Messwerte der COPSOQ-Skala "Vorhersehbarkeit der Arbeit" für unterschiedliche Berufsgruppen - sortiert nach der aktuellen amtlichen Klassifikation der Berufe (KldB2010 V.2020) auf Ebene der 2-Steller - und für die Gesamtheit der Berufe (gestrichelte Linie) . Diese Skala kann als Beispiel für einen Arbeitsfaktor gelten, der stärker von der Qualtität der betrieblichen Planung als von der beruflichen Tätigkeit abhängt. Wie sich das bei anderen Faktoren verhält, haben wir hier beschrieben:

Matthias Nübling, Martin Vomstein, Ariane Haug, Hans-Joachim Lincke (2017) Sind Referenzdaten der COPSOQ-Datenbank für eine JEM zu psychosozialen Arbeitsfaktoren geeignet?

 

Das Gesamtergebnis im externen Vergleich

Erst im Vergleich lässt sich beurteilen, ob das eigene Ergebnis eher ein günstiges oder ein ungünstiges ist, ob es z.B. berufstypisch oder branchenüblich ist. Das Beispieldiagramm zeigt für einen fiktiven Betrieb X durch Vergleich mit den Werten aus der COPSOQ-Datenbank, dass a) die Quantitativen Anforderungen sowohl im Vergleich zu Befragten aus dem selben Tätigkeitsfeld (Berufsgruppe) als auch im Vergleich zu den Beschäftigten in Deutschland insgesamt niedrig ausfallen (grüner Pfeil). Dagegen sind b) die Emotionalen Anforderungen erhöht - gemessen am Querschnitt aller Berufe (roter Pfeil). Mit Blick auf dieselbe Berufsgruppe scheint ein erhöhter Wert jedoch üblich zu sein. Das Verbergen von Emotionen c) weicht nicht auffallend von den anderen Vergleichsgruppen ab. Die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben (Work-Privacy-Konflikte) d) scheint dem fiktiven Betrieb weniger gut zu gelingen als es insgesamt in Deutschland der Fall zu sein scheint (roter Pfeil). Anders der Wert für die Entgrenzung von Arbeits- und Freizeit: Dieser Wert ist e) zwar im Vergleich zu allen Berufen in Deutschland etwas erhöht, aber im berufsspezifischen Vergleich relativ günstig. In der Gesamtschau besteht Handlungsbedarf also primär bei der Vereinbarkeits von Arbeit und Privatleben, dann bei den Emotionalen Anforderungen und mit Bedacht bei der Entgrenzung von Arbeitszeit und Freizeit.

Gruppen-Unterschiede im internen Vergleich

Wenn verschiedene Gruppen von Beschäftigten (Abteilungen, Referate, Tätigkeitsgruppen usw.) im Fragebogen definiert wurden, kann der interne Vergleich Abweichungen vom Gesamtergebnis aufdecken. Das Beispieldiagramm für den fiktiven Betrieb X offenbart erhebliche Unterschiede zwischen seinen Abteilungen hinsichtlich Feedback / Rückmeldung: Die Beschäftigte der Abteilungen 2 und 7 (grüne Pfeile) erhalten deutlich mehr Rückmeldung zur Qualität ihrer Arbeit als z.B. die Kolleginnen und Kollegen der Abteilungen 5 und 6 (rote Pfeile). Primär sollten demnach Gründe für das spärliche Feedback in den Abteilungen 5 und 6 gesucht werden und dort Verbesserungen in die Wege geleitet werden.

Vom Bericht zur Maßnahmenentwicklung

Maximal vier Wochen nach der Befragung erhalten Sie von uns den Ergebnisbericht mit internem und externem Vergleich. Zur Wahrung der Anonymität werden nur Ergebnisse für Gruppen ab mind. 5 Befragten berichtet.

Der Bericht für Ihren Betrieb besteht aus folgenden Teilen:

  1. Textteil mit der Dokumentation des Vorgehens und Interpretation der wichtigsten Ergebnisse
  2. Eingesetzter Fragebogen (COPSOQ mit möglichen Ergänzungen)
  3. Tabellenband mit statistischen Kennwerten für alle Skalen und Items (Fragen) für die Gesamtheit der Befragten
  4. Grafiken zu den Gesamtergebnissen mit externem Vergleich (identische Berufsgruppen aus unserer COPSOQ-Datenbank)
  5. Interner Vergleich zur grafischen Gegenüberstellung der vorab definierten Gruppen/Organisationseinheiten (ab mind. 5 Befragten).

Wichtig ist zunächst die innerbetriebliche Diskussion der Ergebnisse (z.B. in einer Arbeitsgruppe) zur Bestimmung von Handlungsfeldern und -bedarfen. Unter Berücksichtigung von Zielsetzungen und Möglichkeiten (Ressourcen) können häufig bereits mit „Bordmitteln“ (z.B. in Teamgesprächen) wirksame Verbesserungen erreicht werden. In vielen Betrieben sind außerdem Fachleute (z.B. Betriebsarzt/-ärztin, Fachkraft für Arbeitssicherheit, BGM-Verantwortliche/r) bereits aktiv. Darüber hinaus vermitteln wir auf Anfrage externe Unterstützung z.B. durch Arbeits- und Organisationspsychologen, Gesundheitstrainer/innen und Coaches, die mit dem COPSOQ vertraut sind.

Evaluation

Im Zuge einer Wiederholungsbefragung nach 1-2 Jahren (Evaluation) können die Zu- oder Abnahme von Belastungen im Zeitverlauf geprüft und Erfolge von Verbesserungsmaßnahmen dokumentiert werden. Die Gegenüberstellung der Ergebnisse verschiedener Befragungszeitpunkte ist bei uns automatisch in der Folgebefragung enthalten. Eine Messung in regelmäßigen Abständen passt zu dynamischen Konzepten des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) und der "lernenden Organisation". Mit der Wiederholungsbefragung erfüllt sich letztlich der Sinn der Betrieblichen Gefährdungsbeurteilung (GBU) als gezieltem Verbesesrungsprozess.