Die Befragung zu psychischen Belastungen am Arbeitsplatz

Der Fragebogen zu psychischen Belastungen bei der Arbeit

Der COPSOQ (Copenhagen Psychosocial Questionnaire) ist ein branchen- und berufsübergreifender Fragebogen zur Messung psychischer Belastungen bei der Arbeit. Den Kern bildet das wissenschaftliche Modell einer Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen Arbeitsbedingungen (Belastungen) und Reaktionen der arbeitenden Menschen (Belastungsfolgen bzw. Beanspruchungen). Die Standardversion können wir auf Wunsch um Fragemodule zum "Home-Office", zu "Schule und Erziehung" (z.B. Lärm- und Stimmbelastung, Qualität von Konferenzen, Kooperation mit Eltern),  "Kundenkontakt" (bzw. Patientinnen und Patienten, Bürgerinnen und Bürgern), "sexueller Belästigung am Arbeitsplatz" sowie zu "Angeboten der Betrieblichen Gesundheitsförderung" ergänzen. Generell erfasst der Fragebogen Angaben zum Betrieb (z.B. Standorte, Abteilungen), zum Beschäftiungsverhältnis (Beruf, Position, Arbeitszeiten) sowie die soziodemografischen Merkmale Altersgruppe und Geschlecht.

Ein solides wissenschaftliches Fundament

Der COPSOQ wurde u.a. von Tage S. Kristensen am Institut für Arbeitsmedizin in Kopenhagen (AMI) entwickelt. In Deutschland wurde der Fragebogen erstmals im Jahr 2005 im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) erprobt. Die Erprobungsstudie von Nübling et al. zeigte ein gute Tauglichkeit des COPSOQ als Screening-Instrument. Daraus folgt die Empfehlung des Fragebogens zur Erfassung psychosozialer Belastungen und Beanspruchungen bei der Arbeit:

Matthias Nübling et al. (2005): Methoden zur Erfassung psychischer Belastungen – Erprobung eines Messinstruments (COPSOQ).

Bis heute haben allein in Deutschland über 530.000 Beschäftigte den COPSOQ ausgefüllt. Das Ziel der Bereitstellung eines validen und reliablen Instruments zur Messung psychischer Belastungen und Beanspruchungen bei der Arbeit wird also erreicht. Das belegt die 2021 von uns veröffentlichte Validierungsstudie:

Hans-Joachim Lincke, Martin Vomstein, Alexandra Lindner, Inga Nolle, Nicola Häberle, Ariane Haug und Matthias Nübling (2021): COPSOQ III in Germany: validation of a standard instrument to measure psychosocial factors at work.

Wir freuen uns sehr, dass wir im Jahr 2018 mit dem Julius-Springer-Preises des Zentralblatts für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie ausgezeichnet wurden! Die Preisverleihung erfolgte im Rahmen der 58. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) in München. Der Preis gilt unserem Aufsatz, in dem wir uns dem Zusammenhang von psychischer Arbeitsbelastung und ausgeübtem Beruf gewidment haben:

Matthias Nübling, Martin Vomstein, Ariane Haug, Hans-Joachim Lincke (2017) Sind Referenzdaten der COPSOQ-Datenbank für eine JEM zu psychosozialen Arbeitsfaktoren geeignet?

Weitere Veröffentlichungen aus dem COPSOQ-Team, das die Befragungen mit dem COPSOQ im deutschsprachigen Raum durchführt, finden Sie hier. Das Spektrum internationaler Arbeiten zu und mit COPSOQ umfasst inzwischen u.a. arbeitsmedizinische, organisationspsychologische, soziologische und methodologische Fragestellungen. Sie finden hier internationale Publikationen zum COPSOQ verzeichnet.

Vielsprachig, weltweit verbreitet

Von Anfang wird der COPSOQ in vielen Ländern eingesetzt. Die weltumspannenden Austausch- und Kooperationsbeziehungen aller COPSOQ-Teams bündeln sich in den Aktivitäten des internationalen COPSOQ-Netzwerks: Informationen zum Netzwerk (z.B. Termine, Kontakte, Dokumentationen) finden Sie hier. Angesichts der weltweiten Bedeutung des Fragebogens hat die internationale Forschergemeinde auf der Tagung des internationalen COPSOQ-Netzwerks 2017 einen Kernbestand von COPSOQ-Fragen definiert. An dieser Weiterentwicklung sind wir maßgeblich beteiligt:

Hermann Burr, ...Matthias Nübling, ...Hans-Joachim Lincke et al. (2019): The Third Version of the Copenhagen Psychosocial Questionnaire.

Die mit der Internationalität verbundene Sprachenvielfalt des COPSOQ bietet darüber hinaus praktische Vorteile: Bei Unternehmen im deutschsprachigen Raum können Beschäftigte aus anderen Ländern den COPSOQ in ihrer Muttersprache ausfüllen. Multinationale Unternehmen können die Befragung in den jeweiligen Landessprachen ihrer Standorte durchführen. Sprechen Sie uns auf diese Option an, denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass wir den COPSOQ in Ihrer Wunsch-Sprache bereitstellen können.

Befragung nach GDA

In Deutschland ist die Analyse psychischer Belastungen ein Bestandteil der gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung (ArbSchG §5ff), analog zur Arbeitsplatzevaluierung in Österreich (ASchG §§4,5). Verantwortlich für die Planung und Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung ist der Arbeitgeber. Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) ist eine Initiative von Bund, Ländern, gesetzlichen Unfallversicherungen und Sozialpartnern. Im Rahmen der GDA sind Qualitätsgrundsätze zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung verabschiedet und dementsprechende Empfehlungen ausgesprochen worden. Der COPSOQ misst psychische Belastungen auch im Sinne dieser Empfehlungen.